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Woven Hand by Bernhard Flieher from Austrian newspaper Salzburger Nachrichten, 16 August 2005
Die Suche nach dem rettenden Glauben: Woven Hand gastierten mit eindringlichem Country und großem Folk am Freitag im Salzburger Rockhouse. Der Ich-Erzähler in diesen Geschichten, so viel steht David Eugene Edwards ins Gesicht geschrieben, existiert nicht allein als Kunstfigur. Edwards versinkt - während des gesamten Konzerts sitzend - hinter geschlossenen Lidern. Nur selten reißt er die Augen auf, als hätte er das Licht am Ende des Tunnels gesehen, der Leben heißt. Eine Haarsträhne klebt am Schweiß, der Anstrengung dokumentiert, mit der hier jedes Wort gefunden werden und mit bebender Ernsthaftigkeit die Welt erreichen muss. Martyrien singt, schreit, wispert Edwards und findet keine Ruhe. Niemand wäre irritiert, ereignete sich vor der Bühne eine Wunderheilung. Niemand müsste überrascht sein, wenn aus dem Nichts ein greller Blitz einschlüge, in dem Edwards dann ganz einfach verschwände. Ergriffen wohnen treue Jünger dieser Messe bei. Dass der Applaus nach manchen Songs nur zögerlich anschwillt, ist dieser Ergriffenheit geschuldet. Klatschen scheint nicht die richtige Antwort auf die Musik gewordene Suche eines fragenden Predigers, der seine Seele offen legt, ohne jemals zum Missionar zu werden. Studioversionen erweisen sich dabei als Ausgangspunkt. Nur die fünf Songs des aktuellen Albums "Consider The Birds" bleiben nahe an den CD-Versionen. Woran Edwards sich bei Woven Hand, 2001 gegründet als Nebenprojekt seiner im heurigen Frühjahr aufgelösten, ersten Band 16 Horsepower, schon länger abarbeitet, bekommt neue Formen. Am eindrücklichsten passiert dies, wenn der frühe Woven-Hand-Song "My Russia", das Horsepower-Werk "Strawfoot" und das Traditional "Down In Your Forest" zu einer beängstigenden, beinahe gewalttätigen Hymne verschmelzen. Hier wird alles hörbar, was Edwards seit je verhandelt. Beschworen wird der Glaube an Gott und die Allgegenwart der Sünde ebenso wie große, auch schreckliche Mythen der USA, wo alle "warriors" sind und "on Indianland" leben. Dazu wechselt die musikalische Stimmung zwischen einem Sturm aus schweren Gitarrenakkorden (Paul van Laerhoven), donnerndem Schlagzeug (Ordy Garrison) und inwendigen Gebeten, bei denen Edwards nur wenige Töne zittern lässt. Die Intensität, die mit sparsamstem Einsatz erzeugt wird, erinnert an den heiligen Lärm der Tour von Neil Young und Crazy Horse aus dem Jahr 1991. Sie traten mit ihrem Rock damals gegen den Irakkrieg an. Woven Hand nehmen es gleich mit allem zwischen Himmel und Hölle auf. Das "Ich" dieser Weltgeschichte irrlichtert sündig und ausgestoßen zwischen Country mit Todessehnsucht, Folk mit der Macht punkiger Verzweiflung und Gebeten, die zwar nicht stilistisch, aber in ihrem Flehen nach Erlösung die Qualität von Gospels haben. Es geht in jedem Atemzug, in jeder hart erkämpften Silbe ums Leben. Woher Edwards' Überzeugungsgewalt stammt, bleibt ein Geheimnis. Nur ein gänzlich romantisches, ja kitschiges Resümee bleibt: Die tiefe Gläubigkeit, die Edwards unpeinlich als Antrieb seines Tuns erkennen lässt, zwingt auch Ungläubige zur Einsicht, dass diese Lieder Seelen retten können.
Phyllis Ruth/Ann Sparrow Falls Outlaw Song Deerskin Doll The Speaking Hands Tin Finger Chest Of Drawers Wooden Brother My Russia Straw Foot Down In Yon Forest Dirty Blue ====== White Bird Your Russia ====== Black Soul Choir medley (solo) |